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Schweinegrippe hängt eindeutig mit Massentierhaltung zusammen!

Wie die deutsche Albert-Schweitzer-Stiftung bekannt gab, ist es nun endlich kein Tabuthema mehr, die Schweinegrippe mit der Massentier-haltung in Verbindung zu bringen: Unabhängige Wissenschaftler sprechen jetzt Klartext. Im folgen-den Artikel steht, durch welche zehn Faktoren die Massentierhaltung die Entstehung gefährlicher Krankheiten begünstigt:

Bislang haben sich deutsche Wissen-schaftler kaum getraut, die Schweinegrippe mit der Massentier-haltung in Verbindung zu bringen.

Zu mächtig ist die deutsche Agrarlobby, der auch Verflechtungen mit verschiedenen Universitäten vorgeworfen werden. Umso erfreulicher ist es, daß sich jetzt der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) offensiv zum Thema positioniert hat. Prof. Dr. Thomas Löscher, BDI-Experte und Leiter der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, sagte gegenüber Focus, daß die Häufigkeit von Influenza-Infektionen mit der Dichte von Schweinen in der Massentierhaltung erheblich zunimmt!

Weiterhin sagt Prof. Löscher: »Von Schweinen weiß man, daß sie sowohl anfällig für Influenza-Viren bei Vögeln als auch für menschliche Virustypen sind.« Der enge Kontakt zu Menschen und teilweise auch Hühnern sei daher sehr gefährlich. Und weiterhin sagt er: »Eine artgerechtere Haltung in kleineren Populationen würde die Gefahr der Entstehung und Ausbreitung neuer gefährlicher Influenza-Virus-Typen vermutlich deutlich verringern.«

Dr. Michael Greger, der bei unserer befreundeten US-Tierschutzorganisation HSUS den Bereich »Gesundheitswesen und Massentierhaltung« leitet, hat uns exklusiv seine neue DVD zum Thema zukommen lassen. Dr. Greger identifiziert zehn Faktoren, die die Entstehung gefährlicher Krankheiten in der Massentierhaltung begünstigen:

  1. Die bloße Anzahl der Tiere: Dadurch, daß mehrere tausend Tiere in einem Stall gehalten werden, haben neue Viren viele Möglichkeiten, sich zu vermehren und auszubreiten. Wissenschaftliche Studien belegen, daß sich Schweine in großen Ställen (über 5.000 Tiere) bis zu neun Mal öfter mit Schweinegrippeviren anstecken als Schweine in kleineren Ställen (weniger als 1.000 Tiere).¹

  2. Die Dichte der Tiere und Tierarten: Dadurch, daß die Abstände der Schweine- und Hühnerställe immer geringer werden, wird die Übertragung von Krankheiten erleichtert. Wissenschaftler sprechen höflich davon, daß es »unvernünftig« ist, Ställe so dicht beieinander zu positionieren.²

  3. Die drangvolle Enge: Dadurch, daß so viele Tiere auf engstem Raum gehalten werden, können sich Schweinegrippeviren sehr schnell per Tröpfcheninfektion verbreiten.³

  4. Streß: Je weniger Platz die Tiere haben, desto höher ihre Streßlevel. Auch Abferkelgitter, die es Muttersauen noch nicht einmal ermöglichen, sich um die eigene Achse zu drehen, geschweige denn ihre natürlichen Triebe wie den Nestbau auszuleben, erhöhen den Streß. Säue, die nicht die Möglichkeit haben, Nester zu bauen, haben im Vergleich zu Säuen mit Stroh und Platz zum Nestbau ein 2,5-fach erhöhtes Risiko, sich mit verschiedenen Formen der Schweinegrippe zu infizieren.

  5. Zu wenig frische Luft: Schweine in der Massentierhaltung leben in und über ihrem eigenen Kot. Wenn dieser sich zersetzt, wird Ammonium frei. Dieses Gas greift die Atemwege an und macht die Tiere empfänglich für Krankheiten.⁵

  6. Kein oder kaum Sonnenlicht: »Moderne« Schweine sehen während ihres kurzen Lebens nie oder fast nie die Sonne. Das ist ein Problem, denn UV-Strahlen zerstören Grippeviren. Im Sonnenlicht halten sich z.B. Vogelgrippeviren nur 30 Minuten. Im Schatten halten sich Viren dagegen mehrere Tage, in Gülle sogar mehrere Wochen.

  7. Die Mengen an Gülle: Viren können sich verbreiten, wenn Gülle auf Felder gesprüht wird.⁷ Außerdem können die Lüftungsanlagen in Massentierhaltungsställen Grippeviren über mehrere Kilometer hinweg in die Landschaft blasen.

  8. Krankheitsüberträger: Die Güllemengen ziehen Fliegen an, die Viren über mehrere Kilometer verbreiten können (z.B. in den nächsten Massentierhaltungs-Stall).⁸ Das zeigt, daß Begriffe wie »Biosicherheit« in Verbindung mit der Massentierhaltung mit Vorsicht zu genießen sind. Mitarbeiter können ihre Gummistiefel noch so gründlich desinfizieren: Systeme, in die keine Fliegen eindringen können, sind uns nicht bekannt.

  9. Impfungen: Die gängigen Impfstoffe, die Schweinen verabreicht werden, sorgen oft nur dafür, daß die Symptome von Erkrankungen milder verlaufen. Außerdem werden einige Impfstoffe verdächtigt, Mutationen in den Viren zu begünstigen, was wiederum die Gefahr für den Menschen erhöht.

  10. Tiertransporte: Nimmt man einige der obigen Faktoren zusammen, so wird schnell klar, daß Tiertransporte die Verbreitung von Viren massiv beschleunigen können (z.B. über Fliegen, die einen Teil der Strecke bei den Schweinen bleiben).

Man kann also nur staunen, daß die Massentierhaltung in der heutigen Form noch immer erlaubt ist. Jetzt, wo sich die wahren Kosten von billigem Fleisch offenbaren, ist die Politik gefragt, zu handeln und das aktuelle System der Fleischproduktion schnell zu beenden. Stattdessen stellt sich die Regierung auf die Seite der Agrarlobby, benennt die Schweinegrippe kurzerhand um, gibt Unsummen für wenig erprobte Impfstoffe aus und erklärt, daß der Konsum von Schweinefleisch unbedenklich ist. Insbesondere letzteres ist extrem kurzfristig gedacht. Langfristiges Denken ist leider bislang Fehlanzeige.

Wenn Agrarindustrie und Politik versagen, ist der Konsument gefragt: Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt bittet Verbraucher, den Fleischkonsum generell, oder zumindest die Mengen und die durch die Kaufentscheidungen unterstützten Haltungsformen, zu überdenken.

Quellenangaben
¹ Zoonoses Public Health Nr. 55/2008 S. 342-351; The Canadian Journal of     Veterinary Research Nr. 72/2008 S. 7-17
² Rev. sci. tech. Off. int. Epiz. Nr. 23/2004, S.453-465
³ Vet. Res. Nr. 31/2000 S. 313-327
Berl. Münch. Tierärztl. Wschr. Nr.107/1994, S. 256-262
⁵ Am J Vet Res Nr.10/1991
Rev. sci. tech. Off. int. Epiz. Nr. 14(2)/1995, S.435-445
⁷ J Swine Health Prod. Nr. 12(2)/2004, S. 78-81
⁸ The American Journal of Tropical Medicine and Hygiene Nr. 75(2)/2006, S. 327-332
The Canadian Journal of Veterinary Research Nr. 71/2007, S. 207-212

 

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