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07. 07. 2011 - Loznica: Besuch in einer serbischen Hunde-Auffangstation
 

Das beste Tierheim von Serbien?
 

Auf Einladung je einer deutschen und österr. Tierschutz-Organisation hat sich ANIMAL SPIRIT bereit erklärt, vergangenen Dienstag eine Hunde-Auffangstation in Loznica, SW-Serbien zu besuchen, um mitzu-helfen, diesbezügliche Meinungs- verschiedenheiten aufzuklären bzw. auszuräumen. Wie sich bald heraus stellte, ein nicht ganz einfaches Unterfangen:


Das Hunde-Auffanglager in Loznica, Süd-Serbien

Auf der einen Seite der Bürgermeister und die von ihm beauftragte Betreiberfirma des "Tierheims", auf der anderen Seite der lokale Tierschutzverein "Lunja", der die dort herrschenden Zustände seit Jahren kritisiert und - meist vergeblich - versucht, Verbesserungen herbeizuführen und Hunde zur Vermittlung nach Österreich bzw. Deutschland zu bringen.

Eine Autofahrt von ca. 2,5 Stunden bringt uns von Belgrad in die südwestlich gelegene 90.000-Einwohner-Stadt Loznica. Der Termin bei Bürgermeister Petrovic war angemeldet, daher verwunderte es nicht weiter, daß der erste Eindruck des neben einer Müllhalde situierten Lagers – gemessen an den Bildern, die wir zuvor gesehen hatten - ein relativ sauberer und geordneter war: Es war nämlich offensichtlich, daß alle Boxen kurz zuvor gereinigt worden waren, der Betonboden war überall noch feucht. Aber auf den gemailten Bildern, die eine Vertreterin von "Lunja" noch am Sonntag – also nur 2 Tage - zuvor vom "Original"-Zustand gemacht hatte, sah es anders aus... (s. Foto ganz unten).


... es soll jedenfalls noch sehr viel schlimmere Lager geben!

Was dennoch gleich auffiel war, daß die Paletten - die einzigen halbwegs „trockenen“ Rückzugsorte für die Hunde - alt, angenagt, zerbrochen und unterhalb schmutzig/schimmlig waren. Es waren Futterreste von Trockenfutter (Pellets) vorhanden, die einfach am Boden verstreut waren. Futterschüsseln waren keine vorhanden, Wasser schon. Ob das immer so ist, konnten wir nicht beurteilen. Die Angebote von den Tierschützern, für den harten Winter wetterfeste Hütten aufzustellen, wurden von der "Betreiberfirma" und vom Bürgermeister abgelehnt, obwohl dieser das bei der Besprechung heftig dementierte und sogar zusagte, künftig Hilfe vom Ausland annehmen zu wollen. Nur mit den örtlichen TierschützerInnen hätte er so seine Schwierigkeiten ...


Die meisten Hunde waren zutraulich - bis auf diesen...

Überhaupt herrschte in den meisten strittigen Punkten Aussage gegen Aussage. So sagt Bürgermeister Petrovic z. B., es gebe kein Besuchsverbot (Lunja sagt, sie dürfen nur jeweils von 8-10 h morgens ins Tierheim), die Stadt würde alle Kastrationen, das Chippen und die Behandlungen zahlen (Lunja sagt das Gegenteil, zudem wären die TierärztInnen Dilletanten). Er betont, sie hätten viel ins Tierheim investiert und es sei das Beste von Serbien (Lunja meint, es sei eine Katastrophe und werde nur gereinigt, wenn "Hoher Besuch" käme ...).

Lunja wiederum wirft der Bürgermeister vor, sie würden die Hunde in Deutschland „verkaufen“. Und er bestreitet natürlich - was ihm vorgeworfen wird -, daß die Stadt die überflüssigen Hunde an die Jäger verkaufen und zum Abschießen freigeben würde. Auch daß sie jemals Geld von Belgrad bekommen hätten. (Lunja sagt aber, sie würden vom serbischen Staat für die Hunde unterstützt). Und Lunja sowie die österr. TS-Orga könnten gerne Hütten im shelter aufstellen, sie könnten überhaupt alles machen was sie wollen, wenn nur endlich Ruhe wäre und die Verleumdungen aufhörten ...


Die winzigen Ausläufe für einen Teil der Hunde sind nur ein kleiner Trost

Die kurze Besichtigung unter "Vorzeige-Bedingungen" konnte die vielen Differenzen leider auch nicht ausreichend aufklären. Die Hunde schienen jedenfalls generell keines-falls unterernährt zu sein (über die Qualität des angebotenen Futters – durchwegs billiges Pellet-Trockenfutter - und die fehlenden Futterschüsseln kann man sicher streiten) und sie waren auch (bis auf einen, siehe Foto oben) sehr zutraulich und schienen keine Angst vor Menschen zu haben - selbst vor den Hundebetreuern nicht. Das soll in anderen sheltern durchaus anders sein.

In je eine Box gingen wir hinein und die Hunde freuten sich über-schwänglich, so als ob ihnen diese menschliche Zuwendung eher selten zuteil würde.


Die Hälfte der Hunde hatte sogar einen kleinen Auslauf

Ca. die Hälfte der Hunde hatte auch einen kleinen Beton-Auslauf ins Freie nach hinten. Aber weder der linke Teil der Boxenreihe, noch die vordere Hälfte der rechten Boxen verfügte über Ausläufe.
 

Wo liegt die Wahrheit?

Die Bilder, die uns von "Lunja" vom Sonntag davor (3.7.) zugemailt worden waren, sprechen allerdings eine eigene Sprache, dort sieht man den „normalen“ Dreck, die toten Hunde, das Futter welches zwischen dem Kot liegt und verschimmelt ... Einige der Hündinnen (insgesamt angeblich 12) sollen nach der Kastration verendet sein, weil sie zu früh wieder in die Gruppen-Boxen zurückkamen und keine Chance auf Heilung hatten (Fotos von toten Hündinnen mit ausgetretenen Gedärmen ersparen wir Ihnen hier!). Die anwesende Tierärztin bestreitet allerdings, daß jemals eine Hündin nach der Kastration verstorben sei. So steht leider auch hier Aussage gegen Aussage.


Der Alltag?: Futter und Kot untrennbar vermengt

Fazit: Praktisch in allen Bereichen gibt es gegensätzliche Aussagen. Wie kann man als Außenstehender und Kurzbesucher da die Wahrheit herausfiltern? Auf der einen Seite die Tierschützer von Herzen - vielleicht manchmal etwas zu emotionell -, auf der anderen Seite die Firma, die das shelter betreibt und das offensichtlich v. a. wegen des Geldes tut. Das ist ja das Dilemma in diesen ganzen Ostländern: Daß nicht Tierschützer, sondern bezahlte Hundefänger und Auffangstation-Betreiber für die Tiere zuständig sind, denen es nur selten um das Wohl der Tiere geht …

Wo könnte also eine Lösung für dieses Dilemma liegen? Sicher nicht in gegenseitigen Beschuldigungen. Am Ende würde den armen Hunden wohl dann keiner mehr helfen (können), das kann nicht in unserem Sinn sein. Es muß irgendwie weitergehen, wenn man auch in Zukunft zumindest ein paar Tiere aus deren Schicksal erlösen und nach Ö/D bringen will. Vielleicht könnte man den Bürgermeister dort beim Wort nehmen, wo er (zumindest kleine) Zusagen gemacht hat, nämlich doch Hilfe von ausländ. Tierschützern anzunehmen, Verbesserungen am Tierheim zuzulassen (Ausläufe auch für die Hunde, die bisher noch keinen haben), wirklich sämtliche Hunde - und das professioneller - kastrieren lassen, ausländ. Kastrations-Aktionen zu unterstützen – mit Schulung der lokalen Tierärzte durch die deutschen Profis, etc.? Finanzierung der vorgeschriebenen Tollwut-Titertests, damit die Hunde legal in die EU gebracht werden können. Wenn auch wir mithelfen können, sind wir dazu bereit. Es wäre ein positiver Anfang - hoffentlich zum Wohle Hunderter armer Straßentiere.

Dr. Franz-Joseph Plank

 

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